Selbstdarstellung

Aufgaben und Ziele des Arbeitsausschusses Ereignisse

Arbeitsausschuss Ereignisse

Vorsitzender: Dr. Peter G. Schmelzer, Bayer Industry Services GmbH, Leverkusen

I. Ziele

"Lernen ist wie Rudern gegen den Strom, hört man damit auf, treibt man zurück."
Lao Tse (300 vor Christi)

Die Unfallstatistik zeigt den hervorragenden Stand der Sicherheitstechnik in der deutschen chemischen Industrie, jedoch könnte ein einziger größerer Unfall diese Aussage, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, nachhaltig in Frage stellen.
Der Ausschuss Ereignisse unterstützt deshalb das Lernen insbesondere aus nichtmeldepflichtigen, sicherheitsrelevanten Ereignissen, die didaktisch wertvoll erscheinen. Dabei ist es wichtig, auf pragmatische, unbürokratische Weise in der Praxis breit anwendbare Lehren zur Verfügung zu stellen und das Wissen darüber ständig aufzufrischen.
Dies wird seit 1996 umgesetzt, indem eine Gruppe von Fachleuten als Arbeitsausschuss die Ereignisbeschreibungen, die freiwillig von VCI-Mitglieder eingereicht werden, zunächst anonymisiert, dann analysiert und, sofern ein besonders hoher didaktischer Wert erkennbar ist, in einer standarisierten Form der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Dies ist mit einer im Internet öffentlich zugänglichen Datenbank realisiert (http://processnet.org/ereignisdb.html).

Vorgehensweise:
VCI-Mitgliedsunternehmen

  • VCI-Mitgliedsunternehmen erfassen systematisch nichtmeldepflichtige, sicherheitsrelevante Ereignisse und Beinahe-Ereignisse
  • erstellen eine Kurzinformation mit firmenspezifischer Struktur und
  • senden diese Kurzinformation und ggf. zusätzliche Informationen an den Ausschuss.
  • Der Betreuer des Ausschusses anonymisiert die Ereignisbeschreibung und leitet sie an die Mitglieder des Ausschusses weiter.
  • Der Arbeitsausschuss Ereignisse, der aus Fachleuten der Wissenschaft, Behörde und Industrie besteht, bewertet bzw. redigiert diese Kurzinformation.
  • Die Verbreitung der bewerteten und ggf. überarbeiteten, anonymisierten Kurzinformationen erfolgt über die Ereignis-Datenbank.


Zu den Kurzinformationen sind in der Online-Databank fünf Deskriptoren definiert, die die Suche nach interessierenden Ereignisbeschreibungen unterstützen:

  1. Grundoperation / Prozess
  2. Betroffenes Anlagenteil
  3. Gefahrenmerkmal / Stoffeigenschaft
  4. Ursache / Auswirkung
  5. Sonstiges (Betriebsweise, Organisation, Umfeld etc.)

Zusätzlich ist eine Freitextsuche möglich.

II. Schnittstellen zu anderen Gremien

Die Auswertung von industriellen Ereignissen ist mit vielen Fachgebieten verknüpft. So gibt es Überschneidungen u.a. mit folgenden Fachgemeinschaften:

  • Chemische Reaktionstechnik
  • Bildung und Innovation (Kenntnistransfer)
  • Prozess-, Apparate-und Anlagentechnik sowie
  • mit allen Arbeitsauschüssen der Fachgemeinschaft Sicherheitstechnik.

Der Arbeitsausschuss versucht, diesem Umstand u.a. durch die ständige Erweiterung der Datenbank Ereignisse mit neuen Einträgen Rechnung zu tragen. 

III. Arbeitsschwerpunkte

Folgende Problemkreise werden in mehreren der betrachteten Ereignisse / Kurzinformationen angesprochen:

  1. Sicheres Trennen von Rohrleitungen und Apparaten, Einhalten von Ex-Zonen
  2. Verhindern von unzulässigen Temperatur- /Druck- / Konzentrationsbereichen
  3. Verträglichkeit von Stoffen, Hilfsstoffen untereinander und mit den verwendeten Werkstoffen
  4. Restentleerung / Entspannung von Rohrleitungen und Apparaten
  5. Zündquellen infolge mechanischer Reibung / dissipierter Energie, Einhalten von Ex-Zonen
  6. Produktfreisetzungen an Probenahmen, Dichtungssystemen
  7. Wiederkehrende Prüfung und Wartung von Komponenten, insbesondere an kritischen Konstruktions-/Verfahrensstellen
  8. Gefahr von Substanzansammlungen durch z.B. Verstopfungen / Ablagerungen
  9. Wirksamkeit organisatorischer Sicherheitsmaßnahmen durch ausreichende Dokumentation und ggf. technische Maßnahmen
  10. Kurzfristige Unterbrechung des Betriebes oder der Energieversorgung
  11. Elektrostatische Entladung als Zündquelle, Einhalten von Ex-Zonen.
  12. Sicherheitsbetrachtung zur Vorbereitung der sicheren Durchführung und Prüfung von Instandsetzungsarbeiten und für Änderungen an Anlagen bzw. ihrer Nutzung/Betriebsweise

Die bisher erstellten Kurzinformationen zu Ereignissen und die gezogenen Lehren können zu folgenden bekannten, aber wichtigen Erkenntnissen zusammengefasst werden:

  1. Mit Hilfe einer systematischen Sicherheitsbetrachtung und der konsequenten Anwendung des vorhandenen Wissens sind die allermeisten Ereignisse vermeidbar.
  2. Umfangreiches Wissen über das Stoffverhalten muss beschafft werden, auch über die normalen Bereiche der Prozessparameter (T, p, c etc.) hinaus.
  3. Auch das als sicher Erachtete muss immer wieder neu in Hinblick auf seine Wirksamkeit gegen alle vernünftigerweise anzunehmenden Gefahren und auf seine Zuverlässigkeit im praktischen Betrieb hinterfragt werden.
  4. Auf möglichst große Einfachheit der Gestaltung von Prozess, Anlage sowie der Arbeitsabläufe muss geachtet werden.

IV. F&E-Schwerpunkte

Der Ausschuss leitet aus seiner Tätigkeit nicht unmittelbar F&E-Bedarf ab.

August 2009